Erstes Fascinating-Studies-Wochenende mit Chris Vogel
Von 17.-19.6. trafen sich etwa zwanzig Jugendliche und Junggebliebene aus (fast) ganz Österreich auf der Strobler Alm, um gemeinsam mit Chris Vogel in die Tiefen des Wortes Gottes einzutauchen. Moderne Methoden der Textanalyse sollten helfen, die kunstvolle Gestaltung biblischer Geschichten besser zu verstehen und über den scheinbaren Umweg der Form neue Erkenntnisse über den Inhalt zu erlangen – und befruchtend auf das Bibelstudium der Gemeinden wirken.
Die Heilige Schrift wurde vom intelligentesten Wesen des Universums inspiriert, repräsentiert unumstößliche Wahrheiten und ist auch literarisch ein Meisterwerk. Bibelstudium dürfe somit auch intellektuell anregend betrieben werden, lautete die Grundthese des Vortragenden Chris Vogel, der zur Zeit an der Andrews University in den USA an seiner Dissertation (Spezialgebiet: Narratologie im AT) arbeitet.
Das Wochenende begann mit einer Einführung über Fragen der Texttheorie, der Kommunikation und der literarischen Strukturanalyse. Chris Vogel behandelte das durchaus anspruchsvolle Thema auf sehr sympathische und nachvollziehbare Art. Die Teilnehmer lernten, dass im biblischen Text gewisse Formen (etwa der Chiasmus, eine kreuzähnliche Struktur nach dem Muster: „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter“) immer wieder vorkommen und den aufmerksamen Leser auf zentrale Aussagen hinweisen – und zwar in allen Größenordnungen (Vers, Kapitel, Buch). Eine eher thematische Großstruktur sei die zyklische Wiederholung des Themas „Exil und Rückkehr“ (Abrahams Weg nach Ägypten und zurück, Jakobs Zeit bei Laban, Exodus und Landnahme, babylonisches Exil und Wiederaufbau Jerusalems etc.), die im Stil einer Inklusio (also der „Einrahmung“ einer Geschichte) den Erlösungsplan im Gesamten repräsentiere (Vertreibung aus dem Garten Eden, Rückkehr zu Gott nach der Wiederkunft Christi). Ebenfalls zu beachten seien die Einbettung der Geschichten in den größeren Kontext und vor allem Verweise auf andere biblische Episoden, auf die von den Schreibern bewusst angespielt werde (intertextuelle Verweise).
In den folgenden zwei Tagen wurde konkret mit Texten aus dem Alten Testament gearbeitet und fleißig nach Schlüsselwörtern, Strukturen, dem unmittelbaren Kontext und intertextuellen Bezügen gefahndet – mit faszinierenden Ergebnissen: So konnte gemeinsam herausgearbeitet werden, dass die Szene „Nabots Weinberg“ im Prinzip eine literarisch gestaltete Zusammenfassung des moralischen Niedergangs von König Ahab darstellt und Nabot dank seiner Rechtschaffenheit als Typos auf Christus gelesen werden kann. Am Sonntag wurde die Geschichte von David und Abigajil unter die Lupe genommen.
Eine genaue Darstellung der Ergebnisse kann in einem kurzen Artikel nicht geleistet werden, ja, würde der Suche nach Tiefe dank genauer und stundenlanger Beschäftigung sogar widersprechen. Das Projekt „Fascinating Studies“ ist allerdings bewusst als „Fortbildung“ bzw. „Multiplikatoren-Ausbildung“ gedacht und wird von den Teilnehmern in unterschiedlicher Form (Sabbatschule, Unterricht an Gemeindeschulen) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sieben weitere Wochenenden folgen – mit dem Ziel, eine begeisterte Schar junger Bibelforscher in die Gemeinden auszusenden, um dort das aufleben zu lassen, was unsere Gemeinschaft einstmals ausgezeichnet hat: Freude und Feuer für das Wort Gottes, das Wort, das Leben schenkt, das Wort, das unserer Seele und unserem Intellekt Nahrung die Fülle gibt.